Liebe Bundesbrüder,

am vergangenen Wochenende (07. bis 09. Juli) fand der Übergabekommers 2017 in Göttingen statt. Die Vorpräsidierende L! Gottinga überreichte uns am Ende eines wundervollen Festkommerses die CC-Standarte. Damit ist unsere liebe Turnerschaft nun ganz offiziell die neue Präsidierende des Coburger Convents. Wir blicken voller Vorfreude auf das nun anstehende Präsidialjahr, in das auch der 150. Pfingstkongress fällt. Dies ist für uns als ein in Franken beheimateter Bund eine ganz besondere Ehre. Es liegen nun viele Aufgaben vor uns, die wir zusammen, getreu unserem Motto „Jung und Alt gemeinsam“, angehen wollen.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlich bei der L! Gottinga für Ihre Gastfreundschaft und den tollen Übergabekommers bedanken. Der komplette Samstag war ein wunderschöner Tag, der auch noch eine kurze Ausführung verdient.

Gegen 13:00 Uhr versammelten sich im „Präsidialgarten“ hinter dem Haus der L! Gottinga in Göttingen die Vertreter verschiedenster Bünde unseres Dachverbandes, um gemeinsam einen tollen Tag zu verbringen. Es gab eine köstliche Gulaschsuppe zur Stärkung und das ein oder andere kühle Bier vom Fass, das bei bestem Wetter genossen werden konnte.

Gegen 14:30 Uhr brachen wir alle gemeinsam zu einer schön zusammengestellten Stadt- und Karzerführung auf. Der Weg führte uns vorbei am beeindruckenden Botanischen Garten in Göttingen zur Ev. – luth. Kirche St. Jacob. Abwechselnd berichteten und erläuterten uns ein Vertreter der L! Gottinga und ein kundiger Reiseführer alles Wichtige über die Kirche und ihre Geschichte.

Von da aus gingen wir weiter zum fast 800 Jahre alten, ehemaligen Göttinger Rathaus. Hier konnten wir unter anderem ein wunderschönes Wandgemälde betrachten, das ein Panorama der Stadt Göttingen zeigt, wobei im Vordergrund ein Verbindungsstudent im Vollwichs zu sehen ist.

Im Anschluss gingen wir weiter zum Wilhelmsplatz und damit zur ehemaligen Aula der Georg-August-Universität Göttingen. Sie wurde persönlich vom König Wilhelm IV. von Großbritannien und Hannover gestiftet und wurde vor allem als repräsentativer Raum für feierliche Anlässe genutzt. Im selben Gebäude, nur 3 Etagen höher, befindet sich der historische und seit 2007 restaurierte Karzer. Dieser zählt seither zu den am besten erhaltenen Universitätsgefängnissen Deutschlands. Zusammen gingen wir die Treppen hinauf zu den Zellen, in denen über eine Zeitspanne von fast 100 Jahren Studenten immer wieder über ihre Verfehlungen nachdenken und Buße tun konnten.

Im Anschluss daran ging es für eine kurze Erholungspause zurück zum Haus der L! Gottinga.

Gegen 17:30 Uhr brachen wir dann mit zwei große Reisebussen zum gemeinsamen Übergabekommers im Gasthaus Kesten außerhalb Göttingens auf. In festlicher Stimmung genossen wir vorweg ein wundervolles Abendessen, wobei auch das ein oder andere kühle Bier die warmen Temperaturen kompensierte.

Pünktlich um 20:00 Uhr erschallte dann die Biermusik für den Einzug der Herren Chargierten. Der Kommersleiter der L! Gottinga führte uns durch ein gut durchdachtes und ausgearbeitetes Kommersprogramm, wobei auch der Gesang nicht zu kurz kam.

Für unseren Bund und unsere Bundesbrüder waren selbstverständlich die erste Rede unseres Sprechers, Fabian Fritz, und die Übergabe der CC-Standarte am Ende des Kommerses die schönsten Momente. Fabians Rede war rhetorisch sehr gut ausgearbeitet, erläuterte unser Präsidialmotto „Heimat bieten – Werte vermitteln – Zukunft gestalten“ in wenigen aber prägnanten Sätzen, und die Corona hing gespannt an seinen Lippen. Genau deswegen möchte ich Euch diese Rede auch nicht vorenthalten, weswegen Ihr diese weiter unten abgedruckt findet.

Sowohl der Kommers als auch der spätere Ausklang auf dem Haus der L! Gottinga gingen gesellig und fröhlich zu Ende.

Abschließend möchten ich mich  daher noch einmal bei dem Coburger Oberbürgermeister, Norbert Tessmer, und allen Verbands-, Freundschafts- und Bundesbrüdern bedanken, die mit uns zusammen in das neue Präsidialjahr 2017/18 gestartet sind. Zudem wünsche ich unserem Bund und vor allem den drei Sprechern, Fabian Fritz, Michael Hornig und Steffen Lamm alles Gute für die nun anstehenden Aufgaben.

Mit bundesbrüderlichen Grüßen,
Janick Meyer

Rede von Bundesbruder Fabian Fritz (1. Sprecher) am Übergabekommers 08. Juli 2017:

Werte Gäste, werte Farbenbrüder, sehr verehrte Waffenbrüder, liebe Verbandsbrüder und liebe Bundesbrüder, es ist für meine liebe Turnerschaft und mich eine große Freude, hier an diesem historischen Tag, in diesem gut gefüllten Saal, Zeuge dieses Kommerses zu sein. Umso mehr ist es mir eine ganz persönliche Ehre, heute vor Ihnen sprechen zu dürfen.

Werte Corona, bereits einige Jahrzehnte ist es her, dass einer unserer Fusionsbünde das Präsid in unserem Dachverband innehatte. Damals unter dem Motto „Jung und Alt gemeinsam“ wurde versucht, eine aktuelle Problematik aufzugreifen. Derzeit sah sich das Korporationswesen mit der Bewältigung der Kriegslücke konfrontiert. Von derartigen Problemen müssen wir im Europa des 21. Jahrhunderts zu unserm aller Segen nicht mehr sprechen. Heute sehen wir uns jedoch mit neuen Problemfeldern konfrontiert. Wie auch schon 1969 nutzen wir in unserem Präsidialjahr ein Motto, dass diese Probleme charakterisiert.

Heimat bieten, Werte vermitteln, Neues Bewirken.

Dieser Dreiklang ist das Präsidialmotto meiner lieben Turnerschaft. Es ist das Präsidialmotto des Jahres 2017 / 2018 – ein Jahr voller Jubiläen. Das wichtigste Jubiläum ist dabei wohl der 150. Coburger Pfingstkongress. Dieser wird nicht nur eine personelle Herausforderung, nein, vielmehr wird es einer der Momente sein, der auch zur Festigung unserer Werte und unserer Zukunft dienen wird.

Werte Corona, annähernd 50 Jahre sind vergangen, seitdem das letzte Mal die CC-Standarte und damit das Präsid an meinen Bund übergeben wurde. 50 Jahre – für uns junge Aktive eine unvorstellbare Zeitspanne; für den einen oder anderen Alten Herren heute unter uns, wohl eher ein Wimpernschlag in seiner persönlichen Geschichte. Umso mehr erfreut es mich, heute einige Bundesbrüder begrüßen zu dürfen, die schon unser damaliges Präsid zu einem Erfolg gemacht haben. In den letzten 50 Jahren vermag sich vieles verändert haben. Die Welt hat sich einem stetigen Wandel unterworfen, unsere Nation wurde wiedervereinigt und ich denke, jeder der Hieranwesenden stimmt zu, auch unsere Bünde haben sich verändert. Selbst schon der Begriff Heimat als wichtige Säule unserer Bünde lässt heute viel Spielraum für Interpretation. Seine Bedeutung mag sich den letzten 50 Jahren verändert haben, stand er jedoch bereits damals im Mittelpunkt des Mottos und soll es auch heute wieder sein. Unser Nachwuchs identifiziert heute ganz neue Aspekte als Heimat. Heimat ist nicht mehr nur Vaterland. Heimat bleibt jedoch der Ort, an welchem wir uns wohlfühlen. „Gehe in die Welt, um zu erfahren, was Heimat ist.“ (Zitat Dr. Carl Peter Fröhling *1933). Die jungen Bundesbrüder fühlen sich heimisch dort, wo Freundschaften entstehen und wachsen, an denen unsere Bünde familiär werden. Wir müssen als Konstante in der modernen Welt fungieren. Wir müssen Integration als Chance sehen und Erinnerungen schaffen. Sie sind die Grundlage des Lebensbundes. Das Vermitteln von Werten ist wichtiger denn je. Es ist kein Geheimnis – Unser Nachwuchs wird immer jünger. Diese Chance müssen wir ergreifen, und unseren Erziehungsauftrag wahrnehmen – ihn ernst gestalten. Soziales Verhalten und Einbringung in ein Team sind nicht nur wichtige Aspekte für das spätere Berufsleben; sie sind auch in unserem Bünden notwendig. Genau an dieser Stelle sollten wir die Problematik fassen – getreu dem Motto: „Werte kann man nicht lehren, sondern nur vorleben.“ (Zitat Viktor Frankl 1905 – 1997) Dazu gehört unweigerlich auch die Mensur. Wir müssen unseren jungen Mitgliedern ein erfolgreiches Studium ermöglichen; den Ehrgeiz wecken der beste zu sein. Wir haben auch in Zukunft den Anspruch, weltoffene, tolerante Mitglieder der Gesellschaft zu formen. Dies darf kein Widerspruch zu unserer Nation, Kultur und Tradition sein. Neues Bewirken. Heute liegt es an jedem von Ihnen, unsere Bünde und unseren Dachverband stets neu zu erfinden. Wir sind in der Pflicht, auf die neuen Anforderungen unserer Mitglieder zu reagieren. Wir müssen agiler werden, schneller auf Trends reagieren. Eine Isolierung darf nicht erfolgen. Es braucht innovationsbewusste Mitglieder in Schlüsselpositionen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu müssen unsere Stärken sinnvoll platziert werden. Potenziale müssen gefördert und Ideen in den Mittelpunkt unserer Diskussion gestellt werden. Werte Festcorona, wir stehen heute vor neuen Anforderungen, die zu Recht viele Verbandsbrüder verunsichern, doch gemeinsame als starke Gemeinschaft können wir diesen schwierigen Weg zusammen beschreiten, und ich denke, einen enormen Mehrwert für unsere Zukunft, und für die Zukunft des Coburger Conventes erreichen. Liebe Verbandsbrüder, lassen Sie uns diesen Weg hier und heute beginnen.

Liebe Verbandsbrüder der Landsmannschaft Gottinga, ich möchte mich im Namen meiner lieben Turnerschaft ganz herzlich bei Ihnen bedanken für die Einladung zu diesem Kommers, die Gastfreundschaft, die meinen Bundesbrüdern heute zuteil wurde, und für die gute Zusammenarbeit unserer Bünde im vergangenen Jahr. Als kleines Dankeschön haben wir uns erlaubt, Ihnen eine gläserne Erinnerung an Ihr Präsid zu überreichen. Und nein, es ist kein weiteres gerahmtes Portrait ihrer drei Sprecher; keine Büste des Verbandsbruders Vaupel – es ist vielmehr unsere herzliche Würdigung eines stolzen CC-Bundes. Ich möchte mich, und ich denke, dass darf ich im Namen des gesamten Coburger Conventes sagen, für das Engagement Ihres Bundes um das hervorragende Präsidialjahr bedanken. Vielen herzlichen Dank.

Liebe Verbandsbrüder, bevor ich meine Grußworte gen Ende führe, wünsche ich uns ein friedliches, aber keinesfalls unscheinbares Präsidialjahr. Wir freuen uns auf die Herausforderung und den Weg, der heute beginnt.

Werte Festcorona, ich möchte mein Glas gemeinsam mit allen Anwesenden auf das Wohl unserer Bünde und das Wohl des Coburger Conventes erheben. Möge es uns auch in der Zukunft gelingen, das Feuer und die Leidenschaft zu bewahren und weiter zu tragen. Nehmen Sie nur einen Gedanken vom heutigen Kommers mit: Tradition haben viele. Unsere ist Zukunft.

Prost Corona. Vielen Dank.

Fabian Fritz – T! Alemanno-Palatia zu Erlangen-Nürnberg – 1. Sprecher

 

Beim Übergabekommers in Göttingen waren die Aktiven aFaF Christopher Blümel, Marius Drexl, Yifei Engl, iaBiaB Fabian Fritz (1. Sprecher), Michael Hornig (2. Sprecher), aBaB Jan Hubeny (Erstchargierter), Nikita Monastirskiy, Jürgen Thomas, Matthias Waller und die Alten Herren Hans-Martin Blümlein, Matthias Dolle, Heiner Dorner, Jörg Gromus, Sieghard Hellmann, Andreas Hofferek, Wolf Honigmann, Detlef Hornig, Wolfgang Huth, Rüdiger Klenke, Steffen Lamm (3. Sprecher), Christian Langner, Jochen Mergner mit Gattin, Janick Meyer, Wolfgang Müller, Joachim Richter, Hans Schloemer und Martin Winter anwesend.