Liebe Bundesbrüder, 

sowohl das 174. Stiftungsfest als auch der 149. Pfingstkongress in Coburg sind zu Ende gegangen. Die Teilnehmer sind zwischenzeitlich wieder wohlbehalten zuhause angekommen. Zunächst unseren Dank an alle Organisatoren, Helfer und Teilnehmer! Mit den nachfolgenden Zeilen möchten wir über die von uns erlebte (schöne) Zeit informieren.

Freitag 2. Juni
46 Jahre sind vergangen, als unsere Chargierten das letzte Mal zur Eröffnung des Pfingskongresses mit der Präsidierenden
zusammen am Markt eingezogen sind. Bei strahlendem Sonnenschein war es eine Freude, die orangen Mützen, die etwas zahlreicher hätten sein müssen, über den Marktplatz zum Rathaus marschieren, zu sehen. Im Anschluss trafen wir uns in der diesjährigen Konstanten, dem Coburger Brauhaus, zum gemeinsamen Abendessen.. Das Wetter meinte es gut mit uns, und wir blieben noch lange auf den Bänken vor dem Gasthaus sitzen.

Samstag 3. Juni
Sportfest und Damenprogramm
Unsere Aktiven zog es zum Sportfest, wo sie sich bei strahlendem Sonnenschein und großer Hitze beim Fussballturnier bis zum ehrenvollen dritten Platz vorkämpften.
Das von Siggi Hellmann organisierte Damenprogramm begann mit einer kulturhistorischen Führung durch das beeindruckende Schloss Ehrenburg, die seinerzeitige Stadtresidenz der Coburger Herzöge. Vom Schlossplatz aus gesehen präsentiert sich Schloss Ehrenburg im neugotischen Gewand des 19. Jahrhunderts, hinter den Fassaden verbirgt sich jedoch eine Anlage mit einer 450-jährigen, wechselvollen Geschichte und familiären Beziehungen zu anderen Adelshäusern, insbesondere zum englischen Königshaus. Unsere Sonderführung durch eine charmante und auf unsere Fragen kompetent eingehende Dame war ein Erlebnis, für das wir uns mehr Beteiligung gewünscht hätten. Viele der am Samstag anreisenden Bundesbrüdern und Bundessschwestern trafen erst gegen Mittag ein, sodass wir anfänglich nur zu sechst waren. Ein Ehepaar hatte sich um zehn Minuten verspätet; unverständlicherweise wurde ihnen nicht erlaubt, zu uns aufzuschließen. Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Touristenzug hinauf zur Veste. Dort trafen weitere, gerade angereiste Bundesbrüder und Bundesschwestern ein. Nach einen Burgrundgang ließen wir uns durch die Sonderausstellung „Ritter – Bauern – Lutheraner“ führen und tauchten ein in die Zeit von Martin Luther und des Umbruchs vor fünfhundert Jahren. Nach soviel Kultur ließen wir es uns im Biergarten der Veste bei strahlendem Sonnenschein gut gehen. Den Nachbartisch bevölkerte eine Verbindung, die offensichtlich aus Norddeutschland angereist war, denn zur Akkordeonbegleitung intonierten sie neben bekannten Studenten- auch Seefahrerlieder. Bei einigen Liedern fielen wir mit ein und verstärkten den Gesang.

Festball
Der abendliche Festball hatte nach Auskunft eines Bundesbruders eher Konzertcharakter. Es war ein nicht traditioneller Ball mit einer sehr guten Band, jedoch nicht ballgerechter Musik aus den Jahren
1960-1980. Die Tanzstimmung war jedoch sehr gut, die jüngeren Generationen und zum Teil auch die älteren waren begeistert, leider war die hohe Lautstärke arg kommunikationshemmend.

Sonntag, 4. Juni
Seßlach
Nach und nach trafen die Bundesbrüder auf dem Marktplatz in Seßlach ein, viele von ihnen mit ihren Damen, obwohl das Wetter anfänglich nicht vielversprechend war. Aber die wenigen Regentropfen konnten uns nichts anhaben, da wir Spitzenplätze unter einem Zeltdach hatten. Pünktlich um elf Uhr kam die Sonne heraus und strahlte mit zunehmender Stärke auf (oder über?) so viele Bundes- und Verbandsbrüder. Mehr als fünfzig Bundesbrüder und -schwestern hatte es nach Seßlach gezogen, ein Rekord! Nachmittags löste sich die Runde allmählich auf, einige Bundesbrüder und Bundesschwestern mussten noch in den Hotels in Coburg einchecken. Die Aktiven wollten sich auch ein wenig von der Siegesfeier zum dritten Platz beim Fußballturnier erholen. Ein Team aktiver Alter Herren traf sich um 15.30 Uhr im Saal unserer Stiftungsfestkneipe („Leise am Markt“ in der Herrengasse) zur Vorbereitung der Abendveranstaltung. Unter der Regie von AH Siggi Hellmann wurde der Raum bestuhlt, die Tische aus verborgenen Fächern unter der Bühne geholt und aufgestellt, anschließend mit Tischdecken, Tischläufern in Bundesfarben und Blumen geschmückt. Der Aufbaumannschaft blieb sogar noch Zeit für eine „Cobra“ und Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts nach der schweißtreibenden Arbeit, bis die ersten Gäste eintrafen. Es war an alles gedacht von der Tischdecke über Läufer, Blumen, Kerzenleuchter, Gästebuch, Fahne, Schlagbrett usw. Zwei nette Damen zur Getränkeversorgung am Tisch wurden aus Erlangen eingeflogen, eine charmante Bedienung der Bierorgel war auch schon da, lediglich der Schlüssel für die Bierkasse traf etwas spät ein; das Schloß war zu diesem Zeitpunkt dann schon durch den Erstchargierten geknackt…

Stiftungsfestkneipe
Der Saal der Stiftungsfestkneipe füllte sich zusehends und um 19:20 Uhr waren alle sechzig Plätze besetzt, nur die drei Chargenstühle auf der Bühne blieben noch leer. Pünktlich um halb Acht wurde ein Silentium zum Einzug der Herren Chargierten geboten und unsere drei Chargen marschierten ein. Leider ohne eine adäquate Marschbegleitung durch die Bierorgel; an Noten hierfür hatten wir im Trubel nicht gedacht. Der Erstchargierte Jan Hubeny eröffnete die Kneipe und konnte neben ca. 35 Bundesbrüdern zahlreiche Gäste und Damen begrüßen und den ersten Cantus announcieren. Gleich zu Beginn ertönte das Bundeslied mit Unterstützung der Bierorgel, die an diesem Abend von unserer Bundesschwester Mareile Barth bedient wurde. Der Vorsitzende des Altherrenverbandes, Hans Schloemer, überreichte im weiteren Verlauf zwei 100-Semesterbänder. Das erste erhielt Bundesbruder Wolfgang Müller mit Dank für sein Engagement über viele Jahre in leitenden Funktionen unseres Bundes. Das zweite 100- Semesterband überreichte der Altherrenvorsitzende Bundesbruder Manfred Kempf, der unsere Turnerschaft Alemanno- Palatia seit langem tatkräftig unterstützt und immer wieder den Weg von der Schweiz nach Erlangen findet. Der Streifen, der auf Wolfang und Manfred gezogen wurde, war deshalb auch sehr kräftig. Weiterer Höhepunkt des Abends war die Aufnahme unseres Bandes durch Verbandsbruder Matthias Daller, Angehöriger einer verehrlichen Turnerschaft Germania Dresden. Nachdem er den Burscheneid abgelegt hatte, legte ihm der AHV-Vorsitzende unser Band um. Abgerundet wurde der Abend durch die Ansprachen des Erstchargierten und des AH-Vorsitzenden. Mit großer Heiterkeit bedacht wurden die beiden, gekonnt vorgetragenen Fuxenulks. Die Fuxenkasse füllte sich daraufhin nennenswert mit materiellen Werten. Mit großem Applaus bedankte sich die Corona bei Mareile Barth für ihre taktsichere Begleitung am elektrischen Klavierflügel. Siggi Hellmann überreichte ihr im Namen der Anwesenden einen Blumenstrauß und eine Flasche Champagner. Im spätabendlichen Überschwang trug er dann eine Begebenheit aus fernen Karzerzeiten vor. Ein Theologiestudent hatte einer verheirateten Dame seine Verehrung, aber auch nichtplatonische Absicht, brieflich zu erkennen gegeben. Der darob erzürnte Ehemann führte Klage – und der amouröse Studiosus erhielt drei Tage Karzerhaft.

Nach dem Ende der Veranstaltung blieben viele Nachtschwärmer bei angeregten Gesprächen an den Tischen sitzen. Alle Anwesenden begrüßten das gelungene Novum einer Stiftungsfestkneipe mit Damen und empfahlen eine Wiederholung. (Machen wir!)

Montag, 5. Juni
Gottesdienst am Ehrenmal des CC
Ein völlig ungewohntes Bild erwartete uns an diesem Morgen. Unsere drei Chargierten standen zusammen mit dem Fahnenträger nicht im Innenhof der Ehrenburg, sondern zusammen mit dem Coburger Oberbürgermeister, dem Bürgermeister und der Bürgermeisterin, sowie der Verbandsspitze des CC, der Präsidierenden und Nachpräsidierenden, vor dem Landestheater. Das Wetter meinte es wieder gut mit uns, der Himmel war bedeckt, es war nicht zu warm und dennoch trocken. Wie jedes Jahr waren die meisten sehr früh am Schlossplatz erschienen, aber im Kreise von lieben Bundesbrüdern und Bundesschwestern vergeht eine Stunde Wartezeit schnell. Die Kranzniederlegung am Ehrenmal der Stadt Coburg und im Anschluß am Ehrenmal des CC, als auch der ökumenische Gottesdienst verliefen in gewohnt guter Weise. Der Anblick der aufgereihten Chargierten lies die Verfasser an ihre eigene Aktivenzeit zurückdenken, als sie damals die Farben des Bundes repräsentierten. Das traditionelle Gruppenfoto mit der Veste im Hintergrund war besser gefüllt als in den letzten Jahren. Aber mit der vorhanden Kameratechnik von Bundesbruder Geiger wäre es ein Leichtes, die doppelte oder dreifache Anzahl Teilnehmer abzulichten. Das Bild war im Kasten und es ging zurück in die Stadt. Einige begaben sich zum Mittagessen, andere begnügten sich mit einem „Bradwoschdweckla“ und wieder andere zogen eine Ruhephase mit Augenpflege vor.

Kleiner Kulturausflug
Um 13.30 Uhr trafen sich die Teilnehmer des von Siggi Hellmann organisierten Kulturprogramms gegenüber vom Festzelt, die anderen mussten ins Festzelt zur Chargenprobe und zur Einweisung für den Ordnungsdienst bei Kommers und Fackelzug. Der bestellte Reisebus kam pünktlich und chauffierte uns nach Rödental, etwa sieben Kilometer nordöstlich von Coburg gelegen. Vom Parkplatz ging es einige hundert Meter durch einen großzügigen Landschaftspark zum Schloss Rosenau. Eine sehr kompetente Dame der „Bayrischen Verwaltung der Schlösser Seen und Gärten“ führte uns durch das Lieblingsschloss der englischen Königin Viktoria. Neben der Familiengeschichte kamen auch die Bau- bzw. Umbaugeschichte und die Nutzungen über die Jahrhunderte nicht zu kurz. Uns alle hat es erstaunt, wie viel noch authentisch ist, wurde doch das Schloss nach dem Krieg zunächst von den Amerikanern genutzt, dann brachte man Flüchtlinge unter und schließlich diente es als Altenheim, bis es an den Freistaat Bayern überging, welcher mit sehr viel Geld den ursprünglichen Zustand weitestgehend wiederherstellte.

Der Führung durch das Schloss und seiner Geschichte folgte nach kurzer Pause eine Führung durch das Europäische Museum für Modernes Glas.

Günthers Eindrücke: Ich bin ganz ehrlich, obwohl ich es im Internet gegoogelt hatte, wusste ich eigentlich immer noch nicht, was mich dort erwarten würde. Beim Aufstieg zum ersten Stock war ich schon beeindruckt von der Wendeltreppe mit beleuchteten Glasstufen. Das erste Kunstwerk hinter dem Eingangsbereich konnte ich dafür gar nicht einordnen. Die Führerin hat uns dies dann aber am Ende erklärt und ich verstand es – und letztendlich gefiel es mir sogar. Auch viele andere Objekte haben mir sehr gut gefallen, jedoch ist hier eine Führung unerlässlich, sollte jemand den Besuch nachholen wollen. „Zuhälter“ ist ein ehrenwerter Beruf, dies klingt zwar seltsam, wer aber die Werkzeuge und das Herstellungsverfahren von Hüttenglas gesehen hat, kann diese Berufsbezeichnung bei der Glasherstellung verstehen. Auch Lampenglas ist ein Herstellungsverfahren und hat nichts mit Lampenschirmen o.ä. zu tun, sondern es kommt von dem Arbeitsgerät, einer Art Lötlampe, mit der Glasstäbe und Glasröhren erhitzt werden, um diese dann formen und gestalten zu können. Glas ist flexibel, auch ich war hier überrascht und ungläubig, obwohl ich weiß, dass Glas von der Textur her eigentlich eine sehr zähe Flüssigkeit ist. Filigrane Kunstobjekte, Skulpturen und Installationen wie Gitternetzskelette oder auch „Jacken“ aus Glas werden hieraus gemacht. Die Objekte aus Studioglas gefielen mir am besten. Hier konnte man einen Glasblock bestaunen. Auf zwei Seiten war er völlig glatt und klar und auf zwei schmalen Seiten war er geätzt oder geschliffen, die Ober- und Rückseite waren nicht weiter bearbeitet, da dies die Standflächen waren. Im entsprechenden Licht spiegelten sich die auf den schmalen Seiten eingeschliffenen Bananen, Paprikas usw. dreidimensional in den glatten Flächen; es war verblüffend, beeindruckend und wunderschön. Alle Teilnehmer waren sich einig, dieses Museum ist sehr interessant, stellenweise kurios, beeindruckend, vor allem aber kurzweilig und sehenswert. Der Spaziergang im Park entfiel wegen einsetzenden Regens und der fortgeschrittenen Zeit. In unserem Bus fuhren wir zurück nach Coburg, wo sich die Männer stärkten, bevor es ins Festzelt zum Kommers ging. Unsere Damen hatten sich für die Zeit des Kommerses bereits selbständig zu einem gemeinsamen Abendessen verabredet.

Festkommers
Der Ablauf war gut organisiert, Kommersleitung und Festrede zum Wahlspruch der Präsidierenden „Toleranz und Zivilcourage“ hinterließen einen guten Eindruck. Die Kommersrede ist demnächst auf der CC-Internetseite abzurufen, sodass hier nicht darauf eingegangen wird.
Nach dem Kommers stellten wir uns zum Fackelzug auf, der uns zum Marktplatz führte. Günther Vogel hatte das Glück, ein Hotelzimmer mit Logenplatz direkt am Marktplatz zu bekommen, und konnte den Fackelzug mal von oben betrachten. Kurz gesagt, es war riesig! Nach der Mahnstunde fanden wir uns im altehrwürdigen Hinterzimmer des Ratskellers ein und ließen mit Bundesbrüdern und Bundesschwestern, und vor allem aber mit unseren wackeren Chargierten, den schönen Montag ausklingen.

Dienstag 6. Juni
Marktfrühschoppen
Einige Bundesbrüder waren beinahe nicht zu erkennen, hatten sie doch versucht, sich hinter großen, schwarzen Sonnenbrillen zu verstecken? Aber nein, sie wollten nur die zu kleinen Sehschlitze verengten Augen, die am fünften Coburgtag beinahe obligatorisch sind, vor den einfallenden Sonnenstrahlen zu schützen. Uns allein stand noch die Heimreise bevor, und so reichte die Getränkepalette von Spezi über Radler und Russen bis zum Weizen – eine normale Maß hat keiner mehr geschafft. Unsere drei Chargierten durften auch noch mal ran, die Eröffnung des Frühschoppen erlebten sie vom Rathausbalkon zusammen mit der Präsidierenden und Vorpräsidierenden.

Obwohl nicht der Kurfürst von der Pfalz, möchten wir unseren Bericht schließen mit „Es war halt doch ein schönes Fest!“. In Coproduktion und mit herzlichen bundesbrüderlichen Grüßen,
Günther Vogel Z! und Siggi Hellmann Z!